Rocshire Records – Die ganze Geschichte

Zunächst aber musste Gary Davis mit einer persönlichen Tragödie fertigwerden.

Seine Tochter Stacy war eine Promotionsbeauftragte bei Rocshire Records. Sie bereiste das Land und besuchte unter anderem Radio Stationen, die in Colleges betrieben wurden, weil Rocshire diesen Markt knacken wollte. Auf dem Weg zur “College Media Journal Musik Wochenende” in Oktober in New York, wurde ihr Auto auf dem Weg zum Flughafen von einem betrunkenen Fahrer gerammt. Sie wurde auf der Stelle getötet.

Es sollte aber noch schlimmer kommen. Kaum ein Jahr später gab es Rocshire nicht mehr. Was alle nicht wussten, was Gary Davis und Lester Claypool auch wohl nicht wussten: Rocshire Records wurde auf unterschlagenes Geld aufgebaut. Die Millionen, die Rocky Davis in seine Firma gepumpt hatte, waren, zumindest zum Teil geklaut.

Quelle: Billboard 21.12.1984
Quelle: Billboard 21.12.1984

Hier kommt die Frau von Rocky, Shirley Lindsay Davis, ins Spiel. Shirley war, wie bereits oben erwähnt, nicht in der Firma ihres Mannes aktiv, obwohl sie früher Tourmanagerin gewesen war. Sie war laut einer ehemaligen Mitarbeiterin Diane L. “Systems Analyst” in der Hughes Medical Fund bei Hughes Aircraft und hatte 60 Leute unter sich, und laut ihre Beschreibung, hatte sie die komplette Kontrolle über die Abteilung. Mitarbeiter, die sich gegen sie stellten, wurden kalt abserviert, sie hatte wohl die absolute Macht.

Anders ist es auch nicht zu erklären, dass es ihr gelungen ist, aus einer streng bewachten Abteilung so viel Geld zu entwenden, das immerhin reichte, um Rocshire Records mit all ihren Studios, Büros usw. zu finanzieren und über Wasser zu halten.

Irgendwann wurden die IRS und FBI auf Rocshire aufmerksam, die Firma wurde geschlossen und die noch vorhandene Masse beschlagnahmt. Zunächst war der Rede von 3 Millionen Dollar, die entwendet wurden, aber letzendlich wurden Gary und Shirley wegen $12,7 Millionen angezeigt und verurteilt. Shirley erhielt 10 Jahre Gefängnis für ihre Beteiligung an dieser Sache. Ihre Tochter Kathy, die angeblich mit verwickelt wurde, wurde aufgrund ihres Alters nicht verklagt, aber offensichtlich wanderte sie dann doch später wegen einer ähnlichen Geschichte ins Gefängnis.

Shirley Lindsay Davis spazierte Tag für Tag über einem Zeitraum von 4 Jahren aus einer abgesicherten Abteilung mit Schecks im Wert von $100.000

Shirley selber hatte laut einer ehemaligen Mitarbeiterin immer damit geprallt, mehr als $33 Millionen gestohlen zu haben. “Was ich überhaupt nicht anzweifele,” schrieb sie, “Shirley Lindsay Davis spazierte Tag für Tag über einem Zeitraum von 4 Jahren aus einer abgesicherten Abteilung mit Schecks im Wert von $100.000, alle mit einem Einzelwert unter $10.000. Das Maximum, was wir drucken konnten. Sie war Systems Analyst, jedes medizinische Problemfall landete auf ihren Schreibtisch.”

Während einer Ebay Transaktion vor gut 2 Jahre hatte ich kurz Kontakt zu einem Neffen von Shirley Davis. Ihre Familie hat wohl (verständlicherweise) versucht, die ganze Geschichte zu vertuschen. Aus diesem Grunde wussten die Leute, zu den ich Kontakt hatte, von der ganzen Geschichte gar nichts und wurden erst durch mein Nachfragen auf die Geschichte aufmerksam. Für sie war Shirley in den 80er Jahre einfach verschwunden – man erzählte ihnen, sie wäre weggezogen.

Die Folgen für die Musiker war natürlich verheerend. Sie verloren alles – sogar die Bänder wurden von der FBI beschlagnahmt und wurden nicht wieder gesehen.

Quellen:
The Rise and Fall of Rocshire Records and the Loss of Stacy Davis
http://iamchuckthewriter.blogspot.com/2008/10/chuck-writer-remembers-stacy-davis.html
http://blog.mixonline.com/audiobites/2007/07/31/one-way-to-make-a-million-bucks-in-the-music-biz/
Billboard Magazine 20.10.1984
Billboard Magazine 20 November 1982
Rocshire_Records-6-83
Davis v Commissioner

Comments 11 Responses

  1. rob 27.05.2009
    • David 27.05.2009
  2. rob 27.05.2009
    • David 27.05.2009
  3. Leo 28.05.2009
    • David 28.05.2009
  4. Leo 28.05.2009
  5. rob 28.05.2009
  6. Sanne 02.06.2009
  7. Peter 02.01.2010

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