Ein Experiment mit Crowdfunding

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In den letzten Tagen sind zwei Crowdfunding Projekte zu Ende gegangen, an den ich mich mit beteiligt habe. Dabei handelt es sich um Crowdfunding im Bereich der Musik und um zwei Künstlerinnen, die ihr nächstes Projekt von ihren Fans – zumindest teilweise – finanzieren ließen.

kttunstallPionier in diesem Bereich war Sellaband. Pledge Music hat das Konzept etwas verfeinert und präsentiert sich nun als Plattform, wo man gegen Bares verschiedene Incentives erwerben kann. Basis ist stets ein sogenannte AccessPass, mit dem man das fertige Produkt herunterladen kann und auch Zugang zu den Updates erhält. Dazu kommen andere Incentives, wobei nur die Fantasie (und auch die Machbarkeit natürlich) des Künstlers die Vielfalt begrenzt. Diese können zum Beispiel von speziellen Ausgaben des fertigen Produktes bis hin zu Hauskonzerten variieren.

Auf das Portal selber bin ich durch eine der Künstlerinnen aufmerksam geworden, die ich seit Längerem unter anderem bei Facebook folge, die vor ca. einem Jahr ankündigte, ihr zweites Soloprojekt per Crowdfunding finanzieren zu lassen. Es handelt sich um die frühere Cultured Pearls Frontfrau, Astrid North.

Der Erwerb von Musikstücken im Voraus, also vor der Veröffentlichung, ist natürlich so eine Sache. Es ist, wie die Katze im Sack kaufen. Bei beiden Künstlerinnen habe ich letztlich unterschiedliche, aber gute Erfahrungen gemacht, obwohl ich, und das muss ich hier als Kritikpunkt einfügen, beide CDs zur Veröffentlichung noch nicht hatte.

 

Bei K. T. Tunstall war das Kaufen im Sack für mich etwas schwierig gewesen. Sie hat schon viele schöne Alben veröffentlicht, wobei die wirkliche Klasse mit der Veröffentlichung von „Eye to the Telescope“ Ende 2004 zum Vorschein kam. Von dieser L.P. kennen wir die meisten Songs von ihr. Etwa „Black Horse and the Cherry Tree“ oder „Suddenly I See“, ein Song, der es immerhin bis auf Platz 12 in den Britischen Charts schaffte. Weitere Produktionen wurden immer kommerzielle und der zunehmende Hang zum „Dance“ machte es mir persönlich immer schwieriger, ihre Musik zu geniessen. Allerdings schien ihre letzte Produktion „Invisible Empire//Crescent Moon“ zumindest in Andeutungen eine Rückkehr zum Folk Rock zu sein, was sie groß gemacht hatte.

Und so beschloss ich, erst mal nur das CD zu erwerben. Und die Musik ist viel besser als ich befürchtet hatte, obwohl sie fast als Fortsetzung von „Tiger Suit“ anzusehen ist, eine Scheibe, die ich nicht mochte und als Tiefpunkt (wie gesagt, in meine Augen: Andere mögen es anders sehen) ihre Karriere gilt.

north

In Astrid North habe ich etwas mehr investiert. Zusätzlich zum CD (auf dem mein Name in den Credits steht – gegen Aufpreis natürlich) habe ich ein Foto mit einigen handgeschriebenen Zeilen aus einem Songtext erworben, das natürlich auch von der Künstlerin unterschrieben ist.

Hier war die Musik zwar nicht unbedingt das, was ich erhofft habe . Mit ein wenig Wehmut denke ich an die Cultured Pearls zurück, die eine Geschmeidigkeit hatte, die in Astrids Solo Werke nicht so präsent ist. Astrid sehe ich persönlich in der Ecke mit Sade. Smoothness ist angesagt. „Precious Ruby“, wie auch ihr erstes Solowerk „North“ haben viele Ecken und Kanten, zu viele für meinen Geschmack. Trotzdem eine tolle Sache, und sie macht ihr Ding, und das ist gut so! Höhepunkt der LP? „Miss Lucy“.

Trotzdem bereue ich keine Minute und kein Euro meines Engagements in diesem Projekt, auch wenn das Werk ein Jahr länger dauerte als geplant. Astrid hat um ihre Fans gekämpft und sich sehr viel Mühe gegeben, alle zufriedenzustellen. Beispielhaft nenne ich hier die von ihr unterschriebenen Weihnachtskarten, die sie an ihre „Pledger“ geschickt hatte. Darüber hat man sich sehr gefreut.

Zwei Projekte also mit zwei unterschiedlichen Künstlerinnen. Beide Projekte liefen unterschiedlich ab. Während es bei K. T. Tunstall sehr schnell vonstattenging, haben wir Astrid North über einem Jahr begleitet. Beide Projekte haben sich sehr gelohnt. Als Fazit werde ich mich sicherlich in weiteren Projekten dieser Art einbinden. Ja, es war eine tolle Erfahrung!

Und jetzt zu dir Morrisey

photo credit K.T.Tunstall: IMG_6871 KT Tunstall via photopin (license)
photo credit Astrid North: Bardentreffen_15_0217 via photopin (license)

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