Abenteuer in einer norddeutschen Landschaft

Sellaband – Chance oder Seifenblase?

Während der Etabliierten der Unterhaltungsbranche von einer Krise in die nächste hereinschlittern und immer noch nicht erkennen, welche Chancen das Internet ihnen bietet, machen sich immer neue Entrepreneure wie CDBaby auf, das Netz zu erobern.

In einer Unterhaltung letzte Woche fiel der Name sellaband. Das Konzept dieser Website ist denkbar einfach. Wenn schon die Plattenindustrie kriselt, wenn die Wirtschaft aufgrund der jetzigen wirtschaftlichen Situation nicht mehr so bereit ist, Künstler zu sponsern, dann soll der Fan herhalten. So die Theorie!

Zu sellaband:

Das Konzept ist eigentlich ganz einfach:
Der Künstler meldet sich kostenlos an. Das Ziel ist es, $50.000 zusammenzukriegen. Wenn das Geld da ist, finanziert sellaband damit die Produktion, Vertrieb etc. der nächsten Platte des Künstlers.

Wo kommt das Geld her?
Auch ganz einfach: vom Fan. Der Fan meldet sich (auch kostenlos) an. Einmal angemeldet hat er die Möglichkeit (muß aber nicht), ein oder mehrere Anteile à $10 an seinem Künstler zu kaufen. Das Geld kommt auf einem Treuhandkonto, der Fan kann es aber jederzeit (mit Abzug von Bearbeitungskosten) zurückfordern.

Für seine Mühe bekommt jeder zahlende Fan eine Sonderausgabe der CD kostenlos. Auch verdient er an die fertige CD. Für jede CD, die verkauft wird, bekommt der Fan ca $2,50 und das 5 Jahre lang (also $2,50 geteilt durch 5000 Anteile natürlich).

Sellaband arbeitet mit vielen namhaften Unternehmen zusammen; unter anderem Amazon, Heineken etc. etc. In der Szene schlug dieses Konzept wie eine Bombe ein, allerdings zeigen die folgenden von mir zusammengestellten Statistiken auch, dass es nicht so einfach ist wie viele sich das vorstellen mögen:

Es sind zum Stichtag (14.6.2009) 4.528 Künstler bei sellaband registriert.
Bislang wurden 22 Alben durch sellaband finanziert.
2932 Künstler (64,76%) haben keine Anteile bisher verkaufen können
Nur 147 Künstler (3,25%) haben mehr als 1.000 Euro gesammelt (= 2% von Ziel).

Das muß aber nicht unbedingt was heissen, denn es findet keine Auslese der Künstler statt. Jeder kann sich anmelden. Einzige Bedingung: Es müssen die Lieder des Künstlers sein, fremde Lieder sind nicht erlaubt.

Ganz ohne die Wirtschaft und reichen Gönnern geht es allerdings scheinbar nicht. Wer wirklich das Ziel erreichen will, braucht finanzkräftige Unterstützung. Am Beispiel von Katie Thompson, eine neuzeeländischen Künstlerin, die das Ziel fast zur Hälfte geschafft hat, sieht man, dass fast genau die Hälfte ihres Geldes von 4 „Fans“ zusammengekommen ist, die Hälfte davon von einer Investmentbank.

Bei Radio Orange, die zu den glücklichen gehören, die eine CD schon durch sellaband herausbringen konnte, sieht es ähnlich aus. Eine Studio in Holland hat sie mit 1.500 Anteilen unterstützt (also $ 15.000)

Für den Fan ist sellaband sicherlich eine tolle Sache. so hat er die Möglichkeit, sich für seinen Liebling einzusetzen, und er kann sich als Teil des Teams fühlen. Auch die Beteiligung an den Einnahmen, wie klein sich auch sein  mögen, motivieren ihn sicherlich weiter.

Der Künstler profitiert natürlich auch davon, dass der Fan sich an ihn binden kann. Allerdings, wenn das Ziel erreicht werden soll, ist man auf die Beteiligung von finanzkräftigen Gönnern wohl angewiesen. Ob dieses bei sellaband auf Bäume wachsen, darf bezweifelt werden. Trotzdem ist dieser Form der Finanzierung für viele Künstler eine Chance. Zu verlieren gibt es für sie eh nichts. Sie sollten sich aber nicht zu sehr darauf verlassen, dass ihre nächste CD kurzfristig finanziert werden kann.

Demnächst geht die deutsche Website von sellaband an den Start. Ich bin gespannt auf die Resonanz, und ich bleibe am Ball

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