Corona Tour zu einem Vikinger Dorf

2020 war das Jahr, in dem das Corona Virus Deutschland überfiel. Es wurden Maßnahmen ergriffen, die versuchten zu verhindern, dass das Volk zu nah aneinander kam. Kulturelle Einrichtungen wurden geschlossen, genauso wie Restaurants und Kneipen. Die Freizeitgestaltung wurde zur Herausforderung.

Allerdings war nicht alles schlecht. Die Maßnahmen gaben uns die Gelegenheit, raus auf das Land zu gehen. Und so wurde 2020 nicht nur das Corona Jahr, sondern auch das Jahr, wo wir unsere Wahlheimat Schleswig-Holstein näher kennenlernten.

Und so kam die Idee zu den Corona Touren.

Eigentlich hätte diese Geschichte anfangen sollen mit “an einem schönen Tag in Juni”, aber leider war das Wetter etwas zu trüb, als wir losfuhren. Die Vorhersage war nicht so besonders vielversprechend, es waren Gewitter und Regen angesagt. Aber aus dem Fenster schauend, sah es nicht so schlecht aus, also beschlossen wir, es zu riskieren, und sind losgefahren.

Unsere (kurzfristige) Wahl fiel auf Haithabu, die Lage eines alten Vikinger Dorfes am Haddebyer Noor. Dieses hat seinen Ausgang in den Schlei. Dieser wiederum mündet in die Ostsee. Haithabu gehörte zu seiner Höhepunkt im elften Jahrhundert noch zu Dänemark, heute natürlich zu Schleswig-Holstein.

Haithabu war ein wichtiger Umschlagplatz

In seiner Glanzzeit war das Dorf offensichtlich ein wichtiger Umschlagplatz für Handel und Verschiffung zwischen Skandinavien, Westeuropa und das Baltikum. Es wurde aber in 1066 zerstört. Alles, was heute davon übriggeblieben ist, ist das Museum und ein rekonstruiertes Dorf. Die archäologische Stätte wurde 2018 in die Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen.

Von unserem Standort aus ist es eine Reise von ca. 90 km, die fast komplett auf der Autobahn stattfindet. Wir reden daher von einer reinen Fahrzeit von etwa einer Stunde.

Der Zugang ist über einer engen Straße durch Busdorf. Am Ende dieser Straße sind einige wenige freien Parkplätze. Als wir da waren, gab es mit Parken keine Probleme, allerdings sind es nicht wirklich viele Plätze, und nach Corona könnte es schon ziemlich voll werden.

Als wir dort ankamen, strahlt dann (überraschenderweise) die Sonne.

Der südliche Wall

Der Weg führt über einen alten Wall

Nachdem wir das Auto verlassen hatten, sind wir Richtung Museum gelaufen. Der Weg führt über einen begehbaren Wall südlich der Siedlung, der in der Blütezeit von Haithabu gebaut wurde. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick über das Noor.

Am Ende des Walls geht der Weg nach links am Ufer entlang Richtung Museum. Der Weg führt durch einen kleinen Wald. Eine interessante Eigenschaft sind die vielen Hainbuchen, die den Weg saumen. Ihre erhöhten und knorrigen Wurzeln bieten bei Bedarf Schutz für Tiere und Menschen gleichermaßen.

Das Museum selber ist nicht besonders groß und liegt zwischen den Wald und das Gewässer. Die ausgestellten Stück sind überwiegend Fundstücke aus der Gegend. Am Beeindruckendsten sind die beiden Runensteine und ein teilrestauriertes Vikingerschiff.

Der Skarthistein wurde in 1857 südlich der Ausgrabungen entdeckt. Er trägt die Inschrift

“König Sven hat diesen Stein errichtet in Gedenken an Skarthi, seinen Gefolgsmann, der nach Westen gereist ist, aber nun in Haithabu fiel”

Der zweite Runenstein scheint in etwa gleich alt zu sein, beide wurden wahrscheinlich im frühen elften Jahrhundert errichtet. Dieser Stein ist ebenfalls einem Gefolgsmann gewidmet.

Das Dorf

Insgesamt ist das Museum nicht besonders spektakulär, aber trotzdem immer einen Besuch Wert. Der Eintrittspreis von 8 Euro (2020) ist angemessen, besonders wenn man berücksichtigt, dass die Eintrittskarten auch für das nachgebaute Wikingerdorf gültig sind.

Dieses befindet sich ca. 2-3 Kilometer südlich des Museums, und ist wieder ein sehr entspannter und interessanter Spaziergang vorbei an Wiesen, wo Galloway Rinder weiden. Diese Rinder wurden ausgesucht, weil sie den Rinder ähnlich sein sollen, die zu den Wikingerzeiten dort grasten.

Das Dorf wurde detailliert rekonstruiert. Obwohl nicht groß, ist es sehr interessant. Fünf mit Reet gedeckten Gebäuden von verschiedenen Gewerben sind aufgebaut worden. Die Details sind überragend, und geben uns eine tolle Einsicht in das Leben der Bewohner.

Unten am Noor

Ein schmaler Pfad führt von Dorf durch eine Wiese unten zum Wasser, wo ein nachgebauter Steg und mehrere Boote den Besucher erwarten. Der Wind ist frisch, aber wohltuend.

Der Gang zurück zum Auto rundet ein sehr gelungener Tag ab, wobei nicht unbedingt das Museum das Highlight war, sondern das Dorf und vor allem die Gegend an sich. Theoretisch kann man sich den 8 Euro Eintritt sparen und trotzdem einen schönen Tag erleben. Das wäre aber schade.

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