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Aug

5

Raubkopierer straffrei?

Justiz verschont ab sofort Raubkopierer – ein Bericht von AOL

“Schwere Schlappe für die Musik- und Filmindustrie: Die Staatsanwaltschaften mehrerer Bundesländer weigern sich seit einigen Wochen, kleine Raubkopierer zu verfolgen. Grundlage sind Leitlinien der Generalstaatsanwälte. Die Musik- und Filmindustrie ist entsetzt – und pocht weiter auf ein hartes Vorgehen.

Im Kampf gegen das illegale Herunterladen von Musik und Filmen aus dem Internet wollen die Strafverfolger in vielen Bundesländern einem Medienbericht zufolge nur noch gegen große Internet-Piraten vorgehen und die Masse der Tauschbörsennutzer in Ruhe lassen. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet, empfahlen etwa die Generalstaatsanwälte in Nordrhein-Westfalen ihren Internetfahndern Mitte Juli, nur noch gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzer im Netz zu verfolgen. Nach ähnlichen „Leitfäden“ agierten nach Angaben von Justiz- und Ministeriumssprechern auch Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt.

Laut der Richtlinie in Nordrhein-Westfalen drohen dem Bericht zufolge „Filesharern“ erst dann Strafen, wenn sie mehr als 200 Dateien illegal heruntergeladen haben. In den südlichen Bundesländern liege die Messlatte bei einer Schadenshöhe von etwa 3000 Euro. Sachsen-Anhalts Beamte agierten erst bei 3000 Dateien oder 200 Filmen. Niedersachsen arbeite an einer Leitlinie, sagte der Sprecher des Justizministeriums, Georg Weßling. Berlin war bereits zuvor dafür bekannt, praktisch gar nicht gegen Raubkopierer vorzugehen.

Entsetzen bei der Musik- und Filmindustrie
Die Musik- und Filmindustrie zeigt sich von den neuen Leitlinien sehr enttäuscht. “Raubkopien sind kein Bagatelldelikt. Das ist so, als würde die Justiz plötzlich Ladendiebstahl nicht mehr verfolgen”, sagte Daniel Knöll vom Bundesverband Musikindustrie WELT ONLINE. Die Musikindustrie ging bislang vor allem zivilrechtlich mit Abmahnungen und Unterlassungsverfügungen gegen Raubkopierer vor. Diese Praxis wird sich nun wohl nicht mehr aufrechterhalten lassen, da die Justiz bei der Identitätsfeststellung der Kopierer mitgeholfen hatte.

Die Filmindustrie setzt derweil auf das Vertrauen, das man sich in den vergangenen Jahren erarbeitet habe. “Die Staatsanwälte, die mit uns zusammenarbeiten, wissen, wie die Sache gelagert ist”, so Christine Ehlers von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Die Filmindustrie setzt auf Strafverfolgung – auch bei Raubkopierern, die lediglich eine Datei ins Internet gestellt. “Wir haben es besonders auf solche Täter abgesehen, die einen aktuellen Film erstmals im Internet anbieten”, sagte Ehlers. Noch ist unklar, wie die Staatsanwaltschaften in solchen Fällen künftig reagieren werden.

Kölns Generalstaatsanwalt Jürgen Kapischke sagte dem “Focus”: „Das Internet soll kein straffreier Raum werden. Es wäre aber unverhältnismäßig, bei jedem Jugendlichen zu durchsuchen, der sich einen Film oder eine Musikdatei herunter geladen hat.“”



Category: Musik | 3 Comments
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This entry was posted on Dienstag, August 5th, 2008 at 06:54 and is filed under Musik. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

3 Comments so far


  1. Dirk on Dezember 1, 2008 19:37

    Ja sicher, es sieht erst mal unsinnig aus, jeden Jugendlichen der eine Datei herunter geladen hat, zu verfolgen. Aber andererseits… wie ist das denn mit den Tausenden von Jugendlichen oder Erwachsenen, die je eine Datei herunter geladen haben. Der Schaden der hierdurch entsteht, ist riesig und es den Raubkopierern so einfach zu machen, kann ja wohl auch nicht im Sinne des Ganzen sein.

  2. David on Dezember 2, 2008 13:28

    Es ist ein schwieriges Thema. Obwohl ich natürlich nicht gut heissen kann (oder will), dass jeden Tag millionen Lieder und Filme von Teenagern illegal heruntergeladen werden, steht für mich trotzdem fest, dass die Plattenfirmen selber Schuld haben. Jahrelang haben sie sich gegen das Internet gewehrt, eine Schlacht, die sie letzendlich nicht gewinnen konnten. Nun haben sie die Suppe.

    Und auch heute machen sie uns im Internet alles schwer. Bei der von mir betriebenen Fanwebsite ist es (glücklicherweise) so, dass die Rechte für die Songs “im Haus” liegen, aber wenn es anders wär, wäre die Seite in seiner jetzigen Form wohl auch für Geld nicht legal möglich. Denn diese Firmen haben ganz offenbar einfach kein Interesse daran.

  3. Wilfried "Cargoman" Hermanns on April 5, 2009 17:14

    Das Internet wurde von vielen Seiten unterschätzt, nicht nur von der Musikindustrie!! Tageszeitungen und Printmedien haben das gleiche Problem!! Derzeit wird von der Musikindustrie eine andere Kuh gemolken, die Live Tourneen!! Heute bezahle ich für eine Band 49, 50 Euro Eintritt für ein Hallenkonzert (im Juni) in Gießen/Hessenhalle! Diese Band sah ich 1982 für 18 DM in der Kölner Sporthalle! Die gleiche Band, die gleichen Musiker! Der Unterschied: 1982 tourte die Band mit einem Platinalbum, das hat sie heute leider nicht!! Somit haben sich auch bei normalen Bands (also keine Superstar´s) die Kartenpreise seit 1982 verfünffacht! Fazit, irgendwo zahlen wir immer, nun nur an anderer Stelle!!
    Auch die GEMA will bei You Tube abgreifen, bis zu 1 Cent pro Klick!! Davon sieht aber der Musiker nichts, wo denkt Ihr hin?! Auch für den/die Veranstalter sollen in den kommenden Jahren die GEMA Gebühren, die sich nach Quadratmeter berechnen, maßiv teurer werden!! Wo führt das hin? Ich zahle heute schon im Musikclub Quasimodo/Berlin (ca. 250-300 Sitz/Stehplätze) Eintrittspreise zwischen 25 und 40 Euro!!??
    Die Studio CD´s könnten längst viel preiswerter sein, würde nicht soviel schwarz gezogen!! Wir zahlen immer noch 16-17 Euro für eine einfache Neuerscheinung!!! Harte Zeiten für Fans, Sammler und Liebhaber…

    Wilfried

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